Gott sei Dank es gibt die Dialyse

Fortsetzung von "Ich will noch nicht sterben"
 

 
 

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Als ich ein Jahr alt war, erkrankte ich am chronischen HUS (Hämolytisch-Urämisches-Syndrom). Daher musste ich drei Jahre lang jede Nacht zu Hause Peritoneal-Dialyse machen.

 

Nach einem grossen Rückfall, an dem ich fast gestorben wäre, musste ich an die Hämodialyse wechseln. Nach einem weiteren Jahr wurde ich erstmals transplantiert. Bereits nach 24 Stunden wurde die Niere wieder entfernt, weil sie nicht richtig funktionierte. An diese Transplantation kann ich mich nicht mehr so gut erinnern.

 

Nach einem weiteren Jahr Dialyse folgte die zweite Transplantation. Dieses Mal hatte ich mehr Glück: Zweieinhalb Jahre durfte ich die Niere behalten. Endlich hatte ich Lust selber etwas zu essen, und meine Magensonde konnte entfernt werden. In dieser Zeit konnte ich vieles lernen. Ich genoss es, nicht mehr jeden zweiten Tag an die Dialyse gefahren zu werden. Auch durfte ich endlich baden, Skifahren und endlich einmal Ferien verbringen!

 

Im Herbst 1997 wurde meine Niere durch die Grundkrankheit wieder abgestossen. Welch grosse Enttäuschung!

Tageslang mochte ich weder sprechen noch sonst etwas machen. Ich steckte in einer grossen Krise und hatte Mühe, mich wieder mit dem Dialyse-Alltag abzufinden.

Meine Eltern, Geschwister und auch ein Seelsorger halfen mir durch diese schwere Zeit. Ein paar Monate später musste ich erneut ins Spital, und die kaputte Niere wegen starken Blutungen entfernen lassen. Auf der Rückfahrt vom Spital nach Hause erlitten meine Mutter und ich einen Autounfall. Zur Abklärung wurde ich sofort zurück ins Spital geflogen und eine Nacht lang beobachtet.

 

An die lebensrettende Dialyse durch jedes Wetter

Anfangs 1999, im Lawinenwinter, musste ich einmal mit dem Heli nach Frutigen geflogen werden, weil die Strecke Adelboden-Frutigen wegen Lawinengefahr gesperrt war. Von Frutigen fuhr ich mit dem Zug nach Bern. An einem andern Tag hatte es stockdicken Nebel, die Piloten konnten nicht mehr fliegen, deshalb musste ich mit dem Polizeiauto ins "Bergläger" (Zwischenstation einer Seilbahn) fahren. Von dort aus transportierte man mich mit dem Pistenfahrzeug übers Hahnenmoss (Skiort) hinunter in das Dorf Lenk. Von der Lenk aus holte uns mein Vater mit dem Auto ab, und wir fuhren Richtung Bern. Erst um 18.30 Uhr kamen wir in Bern an, dort musste ich noch drei Stunden dialysieren. Um 23.00 Uhr kamen wir bei meinen Grosseltern in Frutigen an. Da wir nicht mehr nach Hause konnten, übernachteten wir bei ihnen. In Frutigen blieben wir eine Woche.

 

Der Sommer 1999 verlief relativ ruhig.

 

In der Nacht des 16. November 1999 rief plötzlich die Polizei an. Professor Bianchetti hatte sie alarmiert, weil er vergeblich versucht hatte, uns telefonisch zu erreichen. Meine Mutter rief ihn sofort zurück und er sagte, dass für mich eine Niere bereit sei. Wir fuhren sofort in die Insel. Dort wurde ich nach drei Stunden in den Operationssaal gebracht. Nach ca. sechs Operationsstunden wurde ich auf die Intensivstation verlegt. Die Niere funktionierte! Ein paar Tage später kam ich für einen Monat auf die Bettenstation G8.

 

Als ich entlassen wurde, musste ich viele Medikamente nehmen und auch noch drei Mal pro Woche zur Kontrolle gehen. Wegen des kaputten Katheters musste ich ihn nach einer Woche operativ entfernen lassen. Als ich nach Hause kam, dachte ich, dass die Niere jetzt lange halten würde. Aber schon nach dreizehn Monaten zeigte sich wieder meine Grundkrankheit, die durch das Pfeiffersche-Drüsenfieber ausgelöst worden war. Ich verlor meine Niere wieder! Auch sagten uns die Ärzte, dass die Chance auf eine Transplantation in nächster Zeit ganz gering wäre.

Die Zeit danach war eine grosse psychische Herausforderung für mich. Ich hatte das Gefühl, ich sei am tiefsten Punkt meines Lebens. Nur mein Glaube an Jesus Christus half und hilft mir immer wieder, mein Schicksal anzunehmen und damit umzugehen.

Auch meine Eltern und Geschwister helfen mir immer wieder über mein vielfach schweres Leben hinweg.

 

Es ist sehr schwer, bei strahlender Sonne nach Bern an die Dialyse zu fahren, während sich meine Kollegen ihren Freizeitbeschäftigungen widmen.

 

 

Nathanael Zurbrügg

2. Februar 2004

 
 

 

 

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