Mirko () erzählt

Aus In Touch Nr. 3 (2004)
 

 
 

15. Januar 2003, es war ein gewöhnlicher Arbeitstag. Am Abend war ja noch das Geschäftsessen. Das jährliche Riesen-Cordon-bleu-Essen im Bierfalken in Zürich. Eigentlich freute ich mich darauf, doch mein Gewissen mahnte, dass mir als Dialysepatient nur 50 g Fleisch pro Tag zustehen. Ich redete mir ein, dass mein Fleischbedarf nach dieser 400 g "Cholesterinbombe" bestimmt für eine Weile gedeckt sei. Und ausserdem muss ich morgen ja an die Dialyse.

Feierabend, ich wollte gerade gehen, da klingelte das Telefon. "Grüezi Herr Wiesner, hier spricht die Transplantationskoordinatorin des Unispitals". Fassungsloses Schweigen meinerseits. "Wir haben eine Niere für Sie!" Unglaublich! "Was? Für mich?" (Das Riesen-Cordon-bleu war vergessen!)

 

Résumé: Am 13. April, 2001 gab meine Niere den Geist auf, bzw. ich hatte eine akute Abstossung. Wohl der richtige Begriff bei einem Kreatinin von knapp 1200! Es musste alles sehr schnell gehen. Am gleichen Tag bekam ich einen Subclavia, also einen Dialysekatheter. Keine Stunde später lag ich im Dialysezimmer zwischen fünf anderen Patienten.

Mein Leben hat sich geändert! Ich musste dreimal die Woche ins Uni zur Dialyse. Glücklicherweise konnte ich den einen Tag auf Samstag verschieben, womit ich meine Arbeit immerhin noch zu 80% ausüben konnte, bzw. ich war zu 80% anwesend.

 

Die Dialyse machen einen ziemlich müde. Ich hatte zu nichts mehr Lust. Mich zu irgendeiner Tätigkeit zu motivieren war fast aussichtslos.

 

Nebenbei hat man Kopfschmerzen, Schwindelanfälle und Wadenkrämpfe, vorzugsweise mitten in der Nacht! Am nächsten Morgen ging es mir besser, aber noch nicht gut. Erst am Nachmittag fühlte ich mich "gesund".

 

Die Dialyse selbst empfand ich als eine sehr langwierige Prozedur. Die vier, manchmal auch fünf Stunden, wollten einfach nicht zu Ende gehen! Von Stunde zu Stunde fühlte ich mich schlechter. Die Letzte ist dann auch die Schlimmste! Der Blutdruck sinkt immer weiter. Ergo, Krämpfe en masse, der Kopf scheint nächstens zu explodieren, und ich muss immer noch eine halbe Stunde liegen bleiben … ARGH!! Ich kann nicht mehr.

 

"Und das soll jetzt alles vorbei sein?" fragte ich mich. Ein Potpourri von Gefühlen machte sich breit! Ich war verdattert, hatte weiche Knie konnte keinen Gedanken in Worte fassen. Ein überwältigendes Gefühl, so eine Nachricht!

 

Jetzt bin ich transplantiert. Dank dem Spender ist es für mich ein neues Leben. Okay, ich weiss, das sagen die meisten! Aber es ist wirklich so!! Von einem Tag auf den anderen fühlt man sich frei. Nicht mehr angewiesen auf die Dialyse. Eineinhalb Tage in der Woche gehören wieder mir. Ein tolles Gefühl. Ich habe wieder Energie. Ich fühle mich einfach gut.

 

 

 

Ergänzung vom 21.2.2008

"Somewhere over the rainbow ................"

 

Bestürzt und traurig nehmen wir Abschied von

Mirko Wiesner

Mirko Wiesner ist in seinem 27. Altersjahr gestorben

 

"Unser" lebensfroher Mirko, der so vielen jungen nierenkranken Patienten Lebensmut gegeben hat, ist plötzlich von uns gegangen. Mirko, der sich nicht weigerte, seine Krankengeschichte bekannt zu machen um damit eine breite Öffentlichkeit über die Nierenkrankheit im Jugendalter zu informieren. Mirko, ein junger Mann, der mit seinem Humor alle unsere Herzen gewonnen hat. Mirko, der einfach ein so toller Mensch war.

 

Im Namen von Kids Kidney Care

und allen nierenkranken Patienten des Kinderspitals Zürich, sowie alle anderen nierenkranken Kinder der Schweiz, denen durch Mirko Wiesner direkt oder indirekt geholfen werden konnte, nehmen wir mit sehr grosser Betroffenheit Abschied von unserem tapferen, herzensguten Helfer und Freund. Wir nehmen Anteil am grossen Verlust, den seine Familie erleiden musste.

 

Marilyn Zeller

Beatrice Devigus

Max Schläpfer

Raymond C. Benoit

Kate Hönigsberg

 

 
 

 

 

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  Das unbehandelte Nierenversagen ist 100% tödlich!
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