Medizinische Probleme vor und während der Dialyse


 

Aus der Antrittsvorlesung "Nierenkranke Kleinkinder – Lebensqualität – Moderne Medizin" von PD Dr. Thomas J. Neuhaus, 18. Dezember 1999, Universität Zürich

 

"Dies sind die Ernährung, das Wachstum, die Anämie, der Knochenstoffwechsel, die Übersäuerung und der Vitaminmangel. Diese Störungen haben zur Folge, dass die nierenkranken Kleinkinder zahlreiche Medikamente einnehmen müssen, resp. die Eltern diese verabreichen müssen: Grosse und kleine Tabletten, Tropfen, Sirup aber auch Spritzen. Die Spritzen werden meistens von den Eltern verabreicht.

 

Die Ernährung der Säuglinge und Kleinkinder ist eine der Hauptaufgaben der Mütter. Deshalb stellt das massiv gestörte Essverhalten der nierenkranken Kleinkinder vor allem für die Mütter eine grosse Belastung dar. Im Vordergrund steht die Inappetenz. Die Patienten haben schlicht und einfach keinen Appetit und trinken am liebsten Wasser, ausnahmsweise einige Spezialsäfte. Zudem erbrechen sie häufig. Einer der Gründe für die Inappetenz ist das erhöhte Leptin. Leptin ist eine Art körpereigener Appetitzügler und ist bei nierenkranken Kleinkindern im Blut und im Gehirn erhöht. Daher müssen Patienten (oft) mit einer Ernährungssonde ernährt werden. Meistens erfolgt dies über einen Magenknopf und zusätzlich mit einer Pumpe während der Nacht.

 

Meistens: Unmittelbar nach einer Transplantation können Patienten normal essen! Dies ist nicht nur für die Eltern, sondern auch für alle Beteiligten immer wieder ein kleines Wunder.

 

Das zweite Hauptproblem ist das ungenügende Wachstum. Bereits bei Geburt können bei Fehlbildungen und Erbkrankheiten Länge und Gewicht vermindert sein. Die ungenügende Ernährung führt ebenfalls zu ungenügendem Wachstum. Bei nierenkranken Kleinkindern besteht eine Wachstumshormon-Resistenz. Das körpereigene Wachstumshormon ist wohl vorhanden, kann aber zu wenig wirken.

 

Die Pubertät tritt bei Nierenpatienten verspätet ein, und der Wachstumsspurt in der Pubertät ist geringer.

 

Aber auch für das Wachstum ist die Transplantation Gold wert: Nach erfolgreicher Transplantation erfolgt oft ein Aufholwachstum.

 

Das dritte Problem ist, oder besser war, die Anämie (Blutarmut). Nierenpatienten leiden an einem Mangel an EPO (Erythropoetin). Dieses Hormon ist verantwortlich für die Produktion der roten Blutkörperchen und wird in den gesunden Nieren produziert. Die Behandlung der Anämie ist heute sehr einfach. Sie erfolgt mit gentechnisch hergestelltem EPO, meist eine Spritze pro Woche. EPO ist kein Doping für Nierenpatienten. Dank EPO eröffnet sich eine neue Dimension der Lebensqualität, z.B. Nierenpatienten fühlen sich in Regionen über 1500 Meter über Meer wegen des Luftdruckes, resp. Sauerstoffdruckes nicht mehr müde, unwohl und schlecht."

 

 

 

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