Prof. Ernst Leumann

Ehem. Leiter Nephrologie Kinderspital Zürich
 

Interview: Viviane Schwizer

Professor Leumann, von Kindern mit Nierenproblemen ist in der Öffentlichkeit relativ wenig die Rede. Ist diese Art von Erkrankung so selten?

Nierenerkrankungen wie Nierenbeckenentzündungen sind häufig. Selten sind jedoch Nierenprobleme bei Kindern, deren Organe ihren Dienst fast vollständig versagen: In der Schweiz kommen jedes Jahr rund zehn Kinder neu an die Dialyse. Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit die verschiedenen Nierenkrankheiten bewusster wahrnimmt. Das hilft uns Wege zu finden, um den Organmangel zu beheben.

Wo liegen bei Kindern die hauptsächlichen Ursachen für ein Nierenversagen?

Etwa ein Drittel sind durch Erbkrankheiten verursacht wie beispielsweise Zystennieren. Ein weiteres Drittel sind angeborene Missbildungen, das heisst die Kinder besitzen zu kleine Nieren, und knapp ein Drittel sind erworbene Nierenprobleme, zum Beispiel nach Infektionen: Die wichtigste Ursache für akutes Nierenversagen beim Kleinkind ist die so genannte HUS-Krankheit.

Was geschieht, wenn die Nieren nur noch teilweise arbeiten?

Die Reserven der Nieren sind gross. Arbeitet ein Organ noch zu 50 Prozent, fällt der Funktionsausfall gar nicht auf. Liegt die Funktion unter 50 Prozent, muss die Niere durch geeignete Massnahmen - vor allem durch Diät - unterstützt werden. Erst bei einer Funktion unter 10 Prozent muss dialysiert werden.

Wann ist die Transplantation einer Niere angezeigt?

Eine Dialyse kann die Nierenfunktion nicht ersetzten. Sie ist für Kinder und Jugendliche nur eine Behelfsmassnahme, denn es bleibt eine mittelschwere Niereninsuffizienz, die schlechtes Wachstum, Knochenstörungen und Blutarmut zur Folge hat. Darum ist bei Kindern immer eine Transplantation anzustreben.

Haben Sie genügend Nieren zur Verfügung?

Nein. Zwar entscheiden sich immer mehr Angehörige für eine Lebendspende. Manchmal steht aber kein Lebendspender zur Verfügung oder die Lebendspende kann aus anderen Gründen nicht durchgeführt werden. Darum sind wir auf Leichenspenden angewiesen, von denen es zu wenig gibt. Die Wartezeiten auf ein Organ sind lang.

 

 

 

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